Noch sieben Tage. Dann geht es endlich los.
Nach Monaten mit Karten, Fahrplänen, Übernachtungsbuchungen, verworfenen Ideen und neu geplanten Etappen wird aus der Reiseplanung schon bald eine echte Reise.
17 Tage Schottland. Mit Zug und Fähre. Im Oktober.
Und meine Vorfreude steigt.
Im Kopf schon unterwegs
Es ist diese leicht surreale Phase kurz vor einer längeren Reise: Eigentlich sitzt man noch ganz normal zu Hause, geht zur Arbeit und erledigt den üblichen Alltag. Aber gedanklich ist man längst unterwegs.
Man schaut häufiger als nötig auf die Wettervorhersage. Prüft zum vermutlich zehnten Mal eine Zugverbindung, die längst gebucht ist. Und natürlich ändert irgendeine beteiligte Bahn den Fahrplan.
Man überlegt, ob noch etwas auf die Packliste gehört. Und fragt sich, ob ein Pullover reichen wird, wie viel Regen die eigene Outdoorjacke eigentlich aushält und ob man in Schottland im Oktober wirklich vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag erleben kann.
Die Antwort auf die letzte Frage werde ich vermutlich ziemlich schnell bekommen.
Darauf freue ich mich
Natürlich freue ich mich auf Schottland selbst. Auf die Highlands, die Midlands, die Berge, die Lochs und die raue Westküste. Auf kleine Orte, weite Landschaften und den schottischen Herbst mit seinen wunderbaren Farben.
Aber mindestens genauso sehr freue ich mich auf das Unterwegssein.
Auf einen Kaffee am Bahnhof am frühen Morgen. Auf den Moment, wenn der erste Zug abfährt und klar ist: Jetzt geht es wirklich los.
Auf lange Bahnfahrten, bei denen draußen die Landschaft vorbeizieht und man irgendwann jedes Gefühl dafür verliert, wie viele Kilometer eigentlich schon hinter einem liegen.
Auf den Caledonian Sleeper, in den ich abends mitten in London einsteigen werde – und auf den ersten Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen irgendwo auf den letzten Kilometern hinter Glasgow in die Highlands.
Auf die die Macht des Atlantik an der Küste von Mallaig.
Auf die Sehnsucht und den weiten Blick im scharfen Wind oben im Norden von Thurso.
Auf kleine schottische Bahnhöfe, Busse durch die Highlands und auf Strecken, bei denen die Fahrt selbst wahrscheinlich mindestens so interessant wird wie das Ziel.
Und ich freue mich auf die Abende. Die Sonnenuntergänge in romantischem Orange auf dem Wasser, den Glens und Bens, auf einen warmen Pub nach einem kalten Tag draußen, auf ein Pint von mir noch völlig unbekannten schottischen Brauereien, etwas zu essen und darauf, die Eindrücke des Tages zu sortieren.
Schottland im Oktober
Natürlich hätte man sich auch eine einfachere Jahreszeit aussuchen können.
Mitte Oktober werden die Tage bereits kurz. Das Wetter kann freundlich sein – oder ziemlich schottisch. Einige Touren werden sich erst vor Ort entscheiden lassen, und vermutlich wird mindestens ein Plan dem Regen oder Wind zum Opfer fallen.
Aber auch darauf freue ich mich irgendwie auch.
Ich möchte die Highlands nicht unbedingt unter makellos blauem Himmel erleben. Ich freue mich auf Wolken, die über den Bergen hängen, auf Nebel, Wind und dieses besondere Licht, wenn die Sonne plötzlich doch eine Lücke findet.
Auf Herbstfarben, dunkles Wasser und Landschaften, die wahrscheinlich gerade dann besonders eindrucksvoll aussehen, wenn das Wetter nicht perfekt ist.
Ein bisschen Sonne zwischendurch wäre natürlich trotzdem nett.

Noch siebenmal schlafen
Langsam beginnt also die Phase, in der aus Vorfreude Nervosität wird.
Ist alles vorbereitet? Habe ich etwas vergessen? Ist der Rucksack zu schwer? (Ach ja, noch mal Probe packen…). Welche Klamotten nehme ich mit? Und warum zeigt die Wetter-App eigentlich bei jedem Blick etwas anderes an?
Egal. In einer Woche wird der erste Zug abfahren.
Dann liegen vor mir 17 Tage, rund 3.500 Schienenkilometer, ein Nachtzug, eine Nachtfähre und sehr viel Schottland.
Und genau darauf freue ich mich gerade gewaltig.
Zwischen Highlands, Schienen und Meer.

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