Die Geschichte der schottischen Könige ist eine Geschichte von mächtigen Clans, blutigen Thronkämpfen, Freiheitskriegen und einer jahrhundertelangen Rivalität mit England. Über 800 Jahre lang war Schottland ein eigenständiges Königreich, bevor die schottische und die englische Krone schließlich zusammenfanden.
1. Die Entstehung des Königreichs (843–1058)
Als einer der Begründer Schottlands gilt Kenneth MacAlpin (Cináed mac Ailpín). Um 843 wurde er König der Pikten und begründete eine Dynastie, aus der das spätere schottische Königreich hervorging.
Die Pikten lebten im Norden und Osten, die gälischsprachigen Skoten vor allem im Westen. Aus ihren Herrschaftsgebieten entwickelte sich das Königreich Alba.
Berühmt wurde später König Macbeth (1040–1057). Anders als in Shakespeares Drama war Macbeth keineswegs nur ein grausamer Tyrann. Er regierte etwa 17 Jahre und konnte sogar eine Pilgerreise nach Rom unternehmen.
2. Das mittelalterliche Königreich (1058–1286)
Unter Königen wie Malcolm III., David I. und Alexander III. entwickelte sich Schottland zu einem zunehmend organisierten europäischen Königreich.
Burgen, Klöster und Städte entstanden. Edinburgh, Stirling, Perth und Scone gewannen an Bedeutung. Besonders Scone war über Jahrhunderte eng mit der Inthronisierung schottischer Könige verbunden.
Nach dem Tod Alexanders III. im Jahr 1286 begann eine schwere Thronfolgekrise. England nutzte die Gelegenheit, seinen Einfluss auszubauen.
3. Die schottischen Unabhängigkeitskriege (1296–1357)
Zwei Namen prägen diese Zeit: William Wallace und Robert the Bruce.
Wallace führte den Widerstand gegen England an, wurde jedoch 1305 hingerichtet. Robert the Bruce wurde 1306 zum König gekrönt und besiegte 1314 das englische Heer in der Schlacht von Bannockburn.
1320 erklärten schottische Adlige in der berühmten Declaration of Arbroath ihren Anspruch auf politische Unabhängigkeit. 1328 erkannte England Robert Bruce als König eines unabhängigen Schottlands an.
4. Die Stuart-Dynastie (1371–1603)
1371 begann mit Robert II. die Herrschaft der Stuarts. Diese Dynastie sollte die Geschichte Schottlands und später ganz Großbritanniens entscheidend prägen.
Besonders berühmt wurde Maria Stuart (Mary, Queen of Scots).
Maria wurde 1542 im Alter von nur sechs Tagen Königin. Ihr Leben war geprägt von religiösen Konflikten, politischen Intrigen und gescheiterten Ehen.
1567 musste sie abdanken. Nach ihrer Flucht nach England wurde sie dort fast 19 Jahre gefangen gehalten und 1587 auf Befehl Elisabeths I. hingerichtet.
Ihr Sohn Jakob VI. blieb jedoch König von Schottland.
5. Zwei Königreiche, ein König (1603)
Als die englische Königin Elisabeth I. 1603 kinderlos starb, erbte Jakob VI. von Schottland auch den englischen Thron.
Er war der Sohn von Maria Stuart und wurde damit gleichzeitig:
- Jakob VI. von Schottland
- Jakob I. von England und Irland
Damit hatten England und Schottland erstmals denselben Monarchen. Beide Länder blieben aber rechtlich eigenständige Königreiche, mit eigenen Parlamenten, Gesetzen und Institutionen.
Diese Verbindung bezeichnet man als Union of the Crowns.
6. Das Ende des unabhängigen Königreichs: Die politische Vereinigung (1707)
Unter Königin Anne Stuart (1665–1714) wurden die beiden Königreiche mit den Acts of Union am 1. Mai 1707 zum neuen Königreich Großbritannien vereinigt: United Kingdom.
Das schottische Parlament in Edinburgh wurde aufgelöst und die parlamentarische Vertretung nach Westminster verlagert. Schottland behielt jedoch unter anderem sein eigenes Rechtssystem und seine presbyterianische Kirchenordnung.
Die Stuarts hatten inzwischen ihre Krone verloren. Nach der Glorious Revolution 1688/89 und späteren Thronfolgeregelungen blieb die Frage der legitimen Herrschaft umstritten.
Warum kam es zur Vereinigung?
England wollte insbesondere die protestantische Thronfolge sichern und verhindern, dass Schottland außenpolitisch einen anderen Weg einschlug.
Schottland erhoffte sich wirtschaftliche Vorteile, darunter den Zugang zu englischen Kolonialmärkten. Hinzu kamen die schweren finanziellen Verluste durch das gescheiterte schottische Kolonialprojekt in Darién (heute Panama).
Die Union war in Schottland heftig umstritten.
Historisch bemerkenswert
1603 war es ein schottischer König, der zusätzlich die englische Krone erbte – nicht umgekehrt.
Und 1707 war es eine Königin aus der schottischen Stuart-Dynastie, unter der die beiden Königreiche schließlich zu Großbritannien verschmolzen.
7. Die Jakobiten und der letzte Kampf um die Krone (1745–1746)
1745 versuchte Charles Edward Stuart, bekannt als Bonnie Prince Charlie, die Krone für seinen Vater zurückzugewinnen.
Charles Edward Stuart wurde am 31. Dezember 1720 in Rom geboren. Er war der Enkel des abgesetzten Königs Jakob VII. von Schottland, der als Jakob II. auch König von England gewesen war.
Der Name Bonnie Prince Charlie bedeutet sinngemäß „der hübsche Prinz Charlie“. Seine Anhänger sahen in ihm einen jungen, charismatischen Hoffnungsträger.
Viele Highland-Clans unterstützten ihn. Die Jakobiten marschierten bis weit nach England, mussten sich jedoch zurückziehen.
Am 16. April 1746 wurden sie jedoch bei Culloden in der Nähe von Aberdeen vernichtend geschlagen.
Nach der Niederlage floh Charles monatelang durch die Highlands und über die Hebriden. Auf seinen Kopf war eine hohe Belohnung ausgesetzt.
Im September 1746 entkam Charles schließlich mit einem französischen Schiff nach Frankreich.
Die Niederlage führte zu massiven staatlichen Eingriffen in die traditionelle Clan-Gesellschaft der Highlands. Culloden wurde zum Symbol für das Ende einer Epoche.
Und heute?
Schottland besitzt seit 1999 wieder ein eigenes Parlament in Edinburgh, ist aber weiterhin Teil des Vereinigten Königreichs. Staatsoberhaupt ist König Charles III.
Gerade in Edinburgh begegnet man dieser Geschichte überall: im Edinburgh Castle, im Palace of Holyroodhouse, auf der Royal Mile und in den engen Gassen der Altstadt.
Eine interessante Besonderheit: Die schottische Krone ist deutlich älter als das Vereinigte Königreich. Die historischen schottischen Kronjuwelen, die Honours of Scotland, gehören zu den ältesten erhaltenen Kroninsignien Europas und werden im Edinburgh Castle aufbewahrt.
Und so erzählt Edinburgh nicht nur die Geschichte einer Stadt, sondern auch die eines Königreichs, das seine politische Unabhängigkeit verlor, seine nationale Identität aber bis heute bewahrt hat.
Und das alles erfährt man am besten in der Anführung durch Holyrood Palace in Edinburgh. Spannend und grausam gleichermaßen. Die Gecshichte Schottlands, der Jacobiten, Bonnie Prince Charlie, Culloden – all das kommt immer wieder vor.

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