Tagesroute:
🚆 Altenberge → Enschede → Zwolle → Utrecht → Rotterdam → London → Caledonian Sleeper …
Nach monatelanger Planung geht es heute endlich los. Vor mir liegen 17 Tage Schottland, einige tausend Bahnkilometer, ein Nachtzug, eine Fähre und die großartige, zerklüftete Landschaft des schottischen Nordens, für die sich die lange Anreise lohnt. Ok wahrscheinlich auch einige dieser fiesen kleinen „Midges“ – eine Art Mini-Mücken. Smidge wird vor Ort gekauft, da die Warnapp dafür aktuell 🔴 zeigt.
Erst einmal Richtung Westen
Von meinem „Heimatbahnhof“ Altenberge geht es mit der Regionalbahn über die Grenze in die Niederlande nach Enschede.

Noch fühlt sich das Ganze eher nach einer normalen Bahnfahrt in die Niederlande an, als nach dem Beginn einer Reise bis in die schottischen Highlands.
Und kaum hat man sich richtig im Zug niedergelassen, ist man auch schon kurz hinter Gronau über die Grenze in die Niederlande 🇳🇱 gereist. Der Zug ist voll mit Schülern aus Münster (waren in Altenberge schon drin) die sich heute einen schönen Tag in Enschede machen. Großartiger Plan für eine Gruppe 15 jähriger Teenies.
Mein Umstieg in Enschede hat einfach mal einwandfrei geklappt. Das Öffnen der Bahnsteigsperre mit dem DB Navigator absolut kein Problem. Der Code wird problemlos gelesen. Die niederländische Bahn will auch gerne ein wenig Konzentration: an Gleis 3 und 4 steht jeweils ein Zug nach Zwolle. Beide mit der Linienbezeichnung 23. Da muss man genau hinsehen, um in den schnelleren IC einzusteigen und nicht in den RB. Zumal die beiden Züge optisch völlig identisch sind.
Eine Minute Verspätung hätte mich im übrigen schon den Anschluss verpassen lassen. Aber war nicht – also alles gut. Weiter geht’s jetzt mit dem Blauwnet IC 23 nach Zwolle.
Eigentlich ein Nahverkehrstriebwagen – aber mit etwas bequemeren Sitzen.


In Zwolle pünktlich angekommen dann eben den Bahnsteig wechseln. Dabei fällt mir auf, dass ich noch nie einen so sauberen Bahnhof und Bahnsteig gesehen habe. Einfach schön.
Weiter geht’s mit einem niederländischen Bahn-Urgestein „Talbot ICM“ mit der dicken gelben Nase als IC 638 nach Utrecht-Central. Auch schon etwas abgenutzt und die Klimaanlage auf Dauerfrost – aber das wird durch die nahezu volle Besetzung des Zuges ein wenig ausgeglichen. Überhaupt sind die Züge alle voll und zwar vielfach mit jungen Leuten – ich hebe den Altersdurchschnitt um einiges an. Und alle sind freundlich. In den Zügen gibt es keine Platzreservierung- man setzt sich einfach irgendwo hin. Und es bleibt einfach kein Platz frei.

Angekommen in Utrecht-Central das gleiche Bild wie vorher schon in Zwolle. Eine heller, freundlicher, blitzsauberer Bahnhof. Hier geht’s dann genauso pünktlich weiter mit einem ein ganz klein wenig neueren Doppelstocktriebwagen „Talbot VIRMm1“ als IC 2038 weiter nach Rotterdam-Central. Auch bequem – und ebenfalls eine rollende Tiefkühltruhe.

Schließlich kommen wir einfach pünktlich in Rotterdam an. Eine gute Stunde Zeit bis zum Checkin für den Eurostar.
Auch ein Teil meiner Reisen: Es gibt keinen harten Schnitt zwischen Zuhause und Urlaub – die Landschaft verändert sich langsam, Zug für Zug und Kilometer für Kilometer.
Mit dem Eurostar nach London
In Rotterdam kommt wie immer der Security-Check und zwei Passkontrollen (weil ich ja aus der EU ausreise um wenige Meter weiter nach Großbritannien einzureisen), um mit dem Eurostar 9147 weiter nach London zu reisen.

Die Strecke führt von den Niederlanden 🇳🇱 durch Belgien 🇧🇪 und Frankreich 🇫🇷 mit Halt in Brüssel und Liege und schließlich durch den über 50km langen Eurotunnel unter dem Ärmelkanal hindurch nach London St. Pancras 🏴.

Die Reise mit dem Eurostar durch den Süden der Niederlande gestaltet sich äußerst zügig und in vielen Tunneln. Dazwischen mal ein Blick auf die sehr viel langsameren Autos auf der Autobahn in der Bähe von Breda.
Nach dreimal kurz Blinzeln ist man auch schon in Belgien 🇧🇪 – Land Nr. 2 auf meiner heutigen Reise.

Die Sonne taucht die Kanalszene und auch sonstige Landschaft zwischendurch in ein wundervolles Licht – und die Fenster vom Zug könnten mal wieder geputzt werden.
Etwas später kann ich nochmal das wunderschöne Licht der Eisenbahnromantik einfangen.

Eine Reise nach Großbritannien 🇬🇧, bei der man irgendwann 100m unter dem Meeresespiegel fährt und wenig später mitten in London aussteigt, ist immer wieder faszinierend und bleibt ein kleiner Nervenkitzel. Auch wenn es für mich schon die fünfte Reise durch den Tunnel ist – wenn ich mich nicht verzählt habe.

Ankunft in London St Pancras – 🏴 England ist erreicht. Mit 10 Minuten Verspätung sind wir fast pünktlich. Kleines Hindernis am Ausgang: von vier Rolltreppen geht eine … für einen kompletten Zug etwas mager. Kurz vor mir stolpert eine Familie und es drückt einer geistesgegenwärtig den Not Stop. Damit sind dann alle Rolltreppen aus 🤷🏼 Mit Rucksack kein Problem aber die Leute mit schweren Koffern fluchen zu recht.
London ist diesmal allerdings nur mein Umsteigeort mit Bahnhofswechsel. Von St. Pancras nach Euston läuft man bei gutem Wetter gerne die 10-15 Minuten nach der langen Zugfahrt.

Der Bahnhof Euston ist neu für mich – aber einfach auch wie jeder andere. Oder doch nicht ganz. Im Gegensatz zu den altehrwürdigen „Kathedralen“ des Reisens ist hier einfacher geradliniger Betonbau angesagt mit moderner LED Wand. Alles etwas flach und gedrungen.

Ein bisschen Zeit in London
Bis zur Abfahrt des Nachtzuges bleibt noch etwas Zeit bis am Abend direkt nebenan in London Euston einer der Züge, auf die ich mich bei dieser Reise besonders freue.
Der Caledonian Sleeper Der Nachtzug, der mich von London bis an die Westhighlands nach Fort William in Schottland 🏴 bringt.
Die Lounge des Nachtzuges ist schnell gefunden. Man kann das Gepäck abgeben und sich ein wenig durchsnacken – manches kostenlos, manches nicht.

Im Schlaf in die Highlands
Am späten Abend beginnt nun der schönste Abschnitt dieses ersten Reisetages.
Der Caledonian Sleeper bringt mich über Nacht von London nach Schottland. Während draußen England im Dunkeln vorbeizieht, geht es immer weiter nach Norden.
Das Ziel am nächsten Morgen: Fort William.

Gerade diese Verbindung war einer der Gründe, die Reise von Anfang an genau so zu planen. So beginnt Schottland langsam und entschleunigt, so wie ich das mag. Abends in London einsteigen, schlafen – und am nächsten Morgen mitten in den Highlands aufwachen. Zumindest lautet so der Plan.
Check in völlig simpel am Eingang der Caledonian Sleeper Lounge. Zimmerlautstärke wie im Hotel. Simpel.

Das Abteil ist genau so groß wie es sein muss. Mit eigener Dusche und WC. Den großen Rucksack oben drauf und den kleinen schon mal ein wenig auspacken.
Dann in den Club Car. Das Frühstück bestellen – um 8:00 soll ich da sein. Also machen wir das so. Wecker auf 7:00 dann mal schauen wie das mit Duschen so klappt 🤗🚿

Jetzt noch einen Schlummertrunk und dann ins rollende Bett heb. Bin gespannt wie gut ich schlafen kann 💤
Und jetzt: nordwärts
Damit endet der erste Reisetag später dann nicht wirklich an einem bestimmten Ort. Er endet irgendwo auf den Schienen zwischen London und Fort William. Mal sehen, ob ich das in der Nacht mitbekommen, weil wir gerade irgendwo halten?
Hinter mir liegen das Münsterland, die Niederlande 🇳🇱, Belgien 🇧🇪, Frankreich 🇫🇷, der Ärmelkanal-Tunnel und London 🏴. Vor mir liegt Schottland 🏴 und die Highlands.
Und wenn morgen früh die Vorhänge der Kabine aufgehen, wird vor dem Fenster eine ziemlich andere Landschaft liegen, als heute Morgen in Altenberge … und die ersten rund 1650 Schienenkilometer sind geschafft.
Zwischen Highlands, Schienen und Meer.

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