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Erlebnisbericht: Mit dem Nightjet von München nach Münster

Manchmal sind es genau diese Reisen, die einem im Gedächtnis bleiben: nicht spektakulär laut oder voller Action, sondern leise, sanft und überraschend komfortabel. Meine Fahrt mit dem Schlafwagen im ÖBB Nightjet 420 von München nach Münster am 12. Februar 2026 gehört definitiv in diese Kategorie.

Anreise: Von Augsburg nach München

Die Reise beginnt unspektakulär, aber entspannt. Mit dem blauen Regionalexpress von Arverio geht es am späten Nachmittag von Augsburg nach München – eine kurze Strecke und man ist eine gute halbe Stunde später in München HBF. Dort angekommen, bleibt noch ausreichend Zeit für ein Abendessen, bevor mein ÖBB Nightjet planmäßig um 22:52 Uhr abfahren soll.

Zugzielanzeiger mit Anzeige der Verspätung des Nightjet
Um 21:30 Anzeige von +20 Minuten Verspätung

Gegen 21:30 Uhr zeigt die Anzeigetafel eine Verspätung von +20 Minuten für den Nightjet. Doch es bleibt nicht dabei: später springt die Anzeige auf 23:19 Uhr. Eine gewisse Dynamik ist also vorhanden. Um 22:56 Uhr fährt der Zug schließlich mit +20 Minuten ein. Und um 23:23 geht es endlich los.

Einsteigen und erster Eindruck

Als ich meinen Wagen 424 erreiche erfolgt bereits am Bahnsteig erfolgt die erste Ticketkontrolle – mit ausgedrucktem Ticket, wie es im Kleingedruckten vorgeschrieben ist. Wer öfter Bahn fährt, weiß: immer gut vorbereitet sein. Meine Cabin 64 oben ist ziemlich mittig im Wagen gelegen. Man kann diese bei der Buchung nicht auswählen – nur oben oder unten. Der erste Eindruck: modern, sauber, fast neuwertig. Alles funktioniert einwandfrei

Erster Blick in die Cabin 64

Die Kapsel selbst ist gut durchdacht: draußen ein kleines Fach für die Schuhe, ein größeres für den Koffer – beides passt perfekt. Für den Rucksack hätte ich mir allerdings ein paar Zentimeter mehr Stauraum innerhalb der Carin gewünscht. Hier merkt man, dass der Innenraum bis ins Detail optimiert wurde – allerdings nicht immer zugunsten maximaler Flexibilität und Bequemlichkeit. Der Tisch ist albklappbar und man kann entweder davor sitzen und die Beine aus dem Eingang baumeln lassen oder sich längs hinsetzen und den Tisch so quasi auf dem Schoß nutzen. Dabei Kann der Tisch in der Längsrichtung auf ca. 2/3 der Länge verschoben werden.

Blick aus der Cabin in den Gang

In die Cabin kann man mit Hilfe von einigen fest angebrachten Leitersprossen leicht rein und rausklettern. Die Jalousie kann man komplett schließen und verriegeln. Damit ist diese nur für das Zugpersonal und mich selbst zu öffnen. Von außen wird die Verriegelung mit einer Karte geöffnet, die sich bei Ankunft innerhalb der Cabin befindet. Diese nimmt man einfach mit, wenn man sich entfernt. Mit der Karte werden ebenfalls das Schuhfach und das Kofferschließfach geöffnet.

Blick auf die Nachbar-Cabin

Wenn man zwei nebeneinander liegende Carins bucht, kann man am Kopfende (Fenster) eine Schiebewand öffnen und so die beiden Seiten verbinden. Die Öffnung ist auf ganzer Höhe der Cabin aber nur ca. 50cm breit.

Abfahrt und Nacht

Kurz nach 23 Uhr bin ich eingerichtet. Draußen regnet es, als der Zug München verlässt. Drinnen: Ruhe. Kaum Laufgeräusche, ein gleichmäßiges Gleiten – genau das, was man sich von einer Nachtfahrt erhofft. Bei einsetzendem Regen verlassen wir den Münchener Hauptbahnhof.

Abschied von München bei Regenwetter

Es gibt eine Steckdose für Ladegeräte aller Art. Damit kann man seine mitgeführte Elektronik gut wieder aufladen. Das Fenster läßt sich mit einem Netz leicht oder einem Vorhang gut komplett verdunkeln.

Die Beleuchtung läßt sich in der Cabin gut und einfach einstellen: In Farbe und Helligkeit. Damit kann man sich eine sanfte oder eben gar keine Beleuchtung für die Nachtfahrt einstellen.

Beleuchtung der Cabin auf ein sanftes abgedunkeltes „rot“ gedimmt

Der Zugbegleiter schaut noch einmal vorbei, kontrolliert das Ticket, knipst es ab und stimmt die Weckzeit für meinen Ausstieg in Münster mit mir ab. Sicherheitshalber stelle ich mir zusätzlich den Handywecker. Werde ich nicht brauchen, wie sich am frühen Morgen herausstellen wird.

Kurz vor Mitternacht werfe ich einen letzten Blick auf die Uhr – dann lasse ich mich in einen überraschend tiefen, sanften Schlaf wiegen. Wir sind noch in München – aber ich glaube, München-Pasing habe ich nicht mehr vorbeiziehen gesehen.

Was besonders beeindruckt: Die Rangierarbeiten in Nürnberg, bei denen der Zug geteilt und neu zusammengestellt wird, gehen komplett an mir vorbei. Kein Ruckeln, kein Lärm – nichts, was den Schlaf stört. Der Wagen liegt ruhig, fast schwerelos auf den Schienen.

Der Morgen: Kaffee statt Tiefschlaf

Das Wecken kommt dann allerdings abrupt. Ein energisches Klopfen des Zugbegleiters holt mich aus dem Schlaf. Ehrlich gesagt: Ich hätte gut und gerne noch bis Amsterdam weiterschlafen können.

Ein kleiner Patzer passiert dabei – ich werde bereits für den Halt in Hamm geweckt, nicht erst für Münster. Eine halbe Stunde mehr Schlaf wäre also drin gewesen. Trotzdem hat das auch etwas Gutes: Ich kann den frühen Morgen im Zug bei aufgehender Sonne genießen.

Frühstück im Nightjet – etwas spartanisch, aber ausreichend für 6:15 Uhr morgens.

Mit einem Becher Kaffee und einem Brötchen sitze ich in meiner Kapsel und schaue hinaus in die langsam heller werdende Landschaft. Laut GPS-Daten meines Fotos befinde ich mich irgendwo bei Paderborn – ein ruhiger, fast meditativer Moment.

Ankunft in Hamm um 7:00 Uhr morgens

Ankunft mit kleiner Verspätung

In Hamm kommen wir mit einer guten halben Stunde Verspätung in Hamm an. Auf der kurzen Strecke von Hamm nach Münster lässt sich da kaum noch etwas aufholen – aber das fällt für mich am Ende kaum ins Gewicht.

Blick in den Gang in Fahrtrichtung – links sieht man die letzte Cabin vor den Schlafabteilen

Um 7 Uhr morgens ist es eher ruhig im Zug und man kann die Ruhe vor der Ankunft noch etwas genießen.

Der Nightjet nach dem Aussteigen in Münster. Man sieht die kleinen Fenster der Cabins.

Am Freitag, den 13. Februar 2026 um 7:33 sind wir schließlich in Münster angekommen und ich kann gerade noch meinen Zug nach Altenberge um 7:38 Uhr erreichen. zu Hause angekommen einmal duschen und noch ein Kaffee und der Tag kann beginnen.

Fazit: Komfortabel und überraschend preiswert

Die Nacht im Nightjet war kurz, aber ausgesprochen angenehm. Ruhiges Fahrverhalten, saubere und moderne Ausstattung, ein insgesamt sehr komfortables Reiseerlebnis.

Auch preislich lohnt sich der Vergleich: Rechnet man eine ICE-Fahrt plus Hotelübernachtung in München (oder Augsburg, wo ich „eigentlich“ gestartet bin) zusammen, kommt man kaum günstiger weg als mit dem Nightjet-Ticket – und hat zusätzlich den Vorteil, die Reisezeit sinnvoll zu nutzen.

Die private Kapsel bietet dabei genau die richtige Mischung aus privatem Rückzug, Komfort und Effizienz.

Das war ganz sicher nicht meine letzte Nachtfahrt im Nightjet. Und das nicht nur, weil es der Nightjet war, sondern, weil ich das Fahren in Nachtzügen einfach mag.

Karte meiner Nachtfahrt mit dem Nightjet – mal eine andere Strecke, als der ICE sonst nimmt

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