Geplant ist geplant also wird das heute gemacht. Bestes Wetter: kalt und trocken, als ich von Inverness nach Thurso aufbreche. Macht nichts – ich sitze ja gleich erstmal im Zug und die Kleidung ist passend 🙂
Vorher aber frühstücken. Heute im Rendezvous Café. Für un-entspannte Menschen gibts hier auch CBD Tee – brauche ich aber nicht 🤗 Mein Zug auf der Far North Line fährt erst um 10:41 – ich kann also ganz entspannt frühstücken. Von hier sind es nur 5 Minuten zum Bahnhof.

An meinem Bahnsteig wartet dann auch schon der altbekannte Class 158 Sprinter als 2-teiliger Triebzug. Am Bahnhof in Inverness sehe ich aus dem Augenwinkel noch ein kleines Stück der noblen Zuges „The Royal Scotsman“ – mit dem könnte ich mir auch vorstellen, mal kreuz und quer durch Schottland zu reisen.







In Inverness ist noch alles ruhig und schön – das Wasser ist spiegelglatt. Stellenweise fährt der Zug dann im weiter nördlichen Verlauf direkt an der Nordseeküste entlang.
Auf dem letzte Wegabschnitt nach Thurso verschlechtert sich das Wetter dann noch in Richtung horizontaler Regen.















Die Gegend hier in Thurso und die äußeren Hebriden haben übrigens nicht nur geologisch mal zu Norwegen gehört sondern war auch von Norwegen beherrscht.
Der Name Thurso geht dabei vermutlich auf das altnordische Þórsá zurück, was häufig als „Thors Fluss“ gedeutet wird. Auch Wick (eine Stadt weiter östlich an der Küste) hat einen nordischen Namensursprung.
Die norwegische Geschichte Nordschottlands begann im späten 8. Jahrhundert mit der Ankunft der Wikinger. Ab dem 9. Jahrhundert standen Orkney, Shetland und die Hebriden über lange Zeit unter nordischer Herrschaft. Auch das nordschottische Festland rund um Thurso und Caithness war stark norwegisch geprägt.
1266 fielen die Hebriden an Schottland, während Orkney und Shetland erst 1468/1469 unter schottische Herrschaft kamen. Damit endeten rund 600 Jahre nordischer Herrschaft über die nördlichen Inseln. Bis heute erinnern zahlreiche Ortsnamen, Traditionen und kulturelle Einflüsse an diese Zeit. Unter anderem die St.-Magnus-Kathedrale in Kirkwall (auf den Orkney Inseln) und zahlreiche Wikingersiedlungen stammen aus der nordischen Vergangenheit.
Zurück ins jetzt: Das nasskalte Wetter nimmt alle Leute, die in Thurso aussteigen, direkt in Empfang. Obwohl es einen überdachten Teil des Bahnsteigs gibt, hält der Zug an dem nicht überdachten Teil 🤷🏼 wahrscheinlich wegen der Barrierefreiheit: Weiter draußen ist der Bahnsteig 20 cm höher und damit fast auf Höhe des Einstiegs. Die Stufe ist dort nur 5-10 cm.



Vom Bahnhof geht man ca. 20 Minuten zum Strand. Ist das Nordsee oder Atlantik oder beides? So genau weiß ich das nicht und irgendwie ist mir das heute auch egal.






Bei dem Wetter sieht es in jede Richtung grau aus. Dahinter kommen irgendwo die Hebriden und dann Shetland, Färöer und dann irgendwann Island… alles nicht ganz geradeaus, aber auf jeden Fall nördlich von hier.




In der kleinen Stadt Thurso ist bei dem Wetter kaum jemand unterwegs aber die Cafés und Restaurants sind alle gut besetzt. Ich suche mir auch eines – Caffe Cardosi – und genieße einen wunderbaren Cappuccino und ein Sandwich – wie das in Schottland so sein muss.
Passend für meinen Zug zurück nach Inverness bin ich wieder am Bahnhof. Irgendwie ist das Wetter auch ein ordentlicher Sturm geworden. Scotrail schreibt auf der Homepage was von Serviceeinschränkungen – auf meiner Linie aber noch alles grün.





Vom Zustand der Gleise in der Halle ist da schon ewig kein Zug mehr rein gefahren. Die sind unfassbar alt und verrostet.
Der Warteraum ist leider heute geschlossen – von außen sieht man, dass es an der anderen Seite Wasser rein drückt. Sturm halt.
Im Zug ist es angenehm warm und kraftvoll fährt der rund 35 Jahre alte Dieseltriebwagen gegen den Sturm an. Der muss zwischendurch mal runterschalten, hat aber sonst kein Problem mit dem Wind.
Zurück in Inverness geht’s dann gleich wieder zur Unterkunft. Schließlich muss ich noch meine Klamotten packen – morgen Mittag geht’s dann weiter nach Aberdeen.

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