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Der heilige Andreas

Irgendwie hat der heilige Andreas heute mein Interesse geweckt. Also habe ich ihn und auch den Hintergrund der schottischen Nationalflagge mal nachgeschlagen.

Wer war der heilige Andreas?

Der heilige Andreas (Saint Andrew) war einer der zwölf Apostel Jesu und der Bruder des Apostels Petrus. Der christlichen Überlieferung zufolge wurde er im 1. Jahrhundert in der griechischen Stadt Patras hingerichtet.

Dabei soll er an einem X-förmigen Kreuz gestorben sein. Der Legende nach wollte er nicht an einem Kreuz in derselben Form wie Jesus sterben, weil er sich dessen nicht würdig fühlte. Dieses X-förmige Kreuz wird deshalb bis heute als Andreaskreuz bezeichnet.

Wie kam Andreas nach Schottland?

Andreas selbst war aller Wahrscheinlichkeit nach niemals in Schottland. Seine Verbindung zum Land entstand erst Jahrhunderte nach seinem Tod.

Einer mittelalterlichen Legende zufolge brachte der Mönch Regulus, auch Saint Rule genannt, Reliquien des Apostels im 4. Jahrhundert aus dem östlichen Mittelmeerraum an die schottische Ostküste.

Dort entstand etwas nördlich von Edinburgh später die Stadt St Andrews, die zu einem der bedeutendsten religiösen Zentren des mittelalterlichen Schottlands wurde. Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich von dort aus der heilige Andreas zum Nationalheiligen Schottlands.

Die Schlacht und das weiße Kreuz am Himmel

Besonders bekannt ist eine Legende aus dem Jahr 832.

Der piktische König Óengus, häufig Angus genannt, soll mit seinem Heer gegen die Angeln gekämpft haben. Am Vorabend der Schlacht betete er um göttlichen Beistand.

Am nächsten Morgen erschien angeblich ein weißes, X-förmiges Wolkenkreuz am blauen Himmel. Die Krieger deuteten es als Zeichen des heiligen Andreas.

Das Heer gewann der Überlieferung zufolge die Schlacht, und das weiße Kreuz auf blauem Grund wurde zum Symbol göttlichen Schutzes und schließlich zum schottischen Nationalsymbol.

Historisch ist diese Geschichte nicht gesichert. Die überlieferte Fassung entstand erst Jahrhunderte nach dem angeblichen Ereignis.

Wann wurde das Andreaskreuz tatsächlich zur schottischen Flagge?

Historisch greifbar wird das Andreaskreuz erst deutlich später:

1286: Das Andreaskreuz erscheint auf einem Siegel der Guardians of Scotland.

1320: In der Declaration of Arbroath, einem zentralen Dokument der schottischen Unabhängigkeitsgeschichte, wird Andreas als Schutzheiliger Schottlands angerufen.

1385: Das schottische Parlament ordnet an, dass Soldaten ein weißes Andreaskreuz als Erkennungszeichen tragen sollen.

1542: Eine der frühesten gesicherten Darstellungen der vollständigen blau-weißen Flagge entsteht.

Damit wurde aus einem religiösen Symbol zunehmend ein Zeichen schottischer Identität und Eigenständigkeit. 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿

Wie kam das Andreaskreuz in die britische Flagge?

Als 1603 der schottische König Jakob VI. auch den englischen Thron bestieg, wurden beide Königreiche unter einem Monarchen vereint.

1606 entstand eine gemeinsame Flagge, in der das schottische Andreaskreuz 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 mit dem englischen Georgskreuz 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 kombiniert wurde. 1801 kam dann noch das rote diagonale Patrickskreuz für Irland hinzu zum bis heute unveränderten Union Jack 🇬🇧.

Was bedeutet die Flagge heute?

Der 30. November ist der St Andrew’s Day, der schottische Nationalfeiertag zu Ehren des Schutzheiligen.

Das weiße Kreuz auf blauem Grund ist heute nicht nur ein christliches Symbol, sondern vor allem Ausdruck schottischer Geschichte, Kultur und nationaler Identität.

Gerade auf einer Reise durch Schottland begegnet einem dieses Kreuz überall: an Bahnhöfen, auf öffentlichen Gebäuden, in den Straßen und selbst an abgelegenen Orten der Highlands. Einfach überall.

Und hinter dieser scheinbar einfachen Flagge steckt eine Geschichte, die vom östlichen Mittelmeer über die frühmittelalterlichen Pikten bis zum modernen Schottland reicht.

Das Besondere: Die schottische Flagge erinnert nicht an einen König oder eine Dynastie, sondern an einen Apostel, der vermutlich nie selbst schottischen Boden betreten hat.

Die schottische Flagge auf dem Südturm des Inverness Castle

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